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Bezirkshandstempelaufdrucke,
und wie man sie sammeln kann
Im Juni
1948 wurde in Deutschland die Mark 10 zu 1 abgewertet. Die
Philatelisten erlebten damals aufregende Tage, die alten Marken
konnten als sogenannte "Zehnfachfrankaturen" aufgebraucht
werden und es gab eine Fülle neuer Aufdruckmarken, besonders
in der sowjetischen Zone, wo in jedem Postamt Marken mit anderen
provisorischen Handstempelaufdrucken gekauft werden konnten.
Die am
21.6.1948 in den 3 Westzonen durchgeführte Währungsreform
machte auch eine Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone
dringend erforderlich, um zu verhindern, daß die in den Westzonen
ungültig gewordenen, aber in der SBZ noch gültigen Geldscheine
und Briefmarken in der SBZ wieder in Umlauf gebracht wurden.
In der amerikanischen und britischen Zone wurden am 21.6.1948
die Band- und Netzaufdrucke auf den Kontrollratsmarken ausgegeben,
in der französischen Zone wurden 3 neue "D.Pf."-Serien für
die 3 Länder ausgegeben. Dagegen waren in der SBZ noch keine
neuen Briefmarken vorbereitet, sodaß kurzfristig Briefmarkenprovisorien
geschaffen werden mußten, damit die Währungsreform in der
SBZ am 24.6.1948 durchgeführt werden konnte.
Am 23.6.1948
wurden alle Postämter der SBZ telegrafisch angewiesen, die
Pfennigwerte der Arbeiterserie mit dem Bezirksstempel des
jeweiligen Postamtes zu überdrucken und ab 24.6.48 als Marken
der neuen Währung auszugeben. Bezirksstempel waren bei allen
Postämtern, Zweigpostämtern und Poststellen I vorhanden, sie
wurden seit 1893 als Aufgabestempel für Postanweisungen (und
später auch Zahlkarten) verwendet. Anders als die meisten
Lokalausgaben der Besatzungsausgaben sowie der Nachkriegszeit
1945-1946, die meist durch eigenmächtige lokale Initiativen
entstanden und erst nachträglich von der zuständigen Postadministration
gebilligt oder mißbilligt wurden, wurden die Bezirkshandstempelaufdrucke
von "oben" verordnet, sie sind daher einzigartig in der deutschen
Philatelie: Für 10 Tage waren die jeweiligen Amtsvorsteher
der 766 Postämter in der SBZ zur Herstellung eigener Aufdrucke
ermächtigt. Einige wenige Postämter verzichteten darauf, eigene
Aufdrucke herzustellen, sie wurden jeweils von Nachbarpostämtern
mit Aufdrucken beliefert.
In den
meisten Postämtern wurden alle Bezirksstempel der untergeordneten
Zweigpostämter und Poststellen gemäß der Anordnung eingezogen,
in manchen Fällen wurden Bezirksstempel von Zweigpostämtern
oder Poststellen I bei der Herstellung der Aufdrucke mitverwendet.
Einige Postämter überließen jedoch unterstellten Zweigpostämern
oder gar Poststellen I die Herstellung ihrer eigenen Aufdrucke.
In 2 Fällen wurden sogar Bezirksstempel von Poststellen II,
die in der Regel keine eigenen Bezirksstempel hatten, für
Aufdrucke verwendet. Insgesamt wurden etwa 2030 verschiedene
Bezirksstempel zur Herstellung von Aufdrucken verwendet. Eine
genaue Zahl der verwendeten Bezirksstempel läßt sich auch
heute nach über 50 Jahren Forschung noch nicht angeben, da
einige Postämter mehrere sehr ähnliche und kaum unterscheidbare
Bezirksstempel hatten und außerdem die Echtheit mehrerer selten
vorkommender Aufdrucke noch nicht endgültig geklärt ist. Außerdem
gibt es noch rund 500 Farbvarianten von Aufdrucken, da in
vielen Postämtern nebeneinander Stempelkissen in verschiedenen
Farben verwendet wurden, somit sind insgesamt ca. 2530 verschiedene
Aufdruckvarianten entstanden. Durchschnittlich wurden mit
jedem Aufdruck ca. 15 verschiedene Wertstufen (dabei auch
Ganzsachen) überdruckt, sodaß insgesamt in diesen 10 Tagen
ungefähr 30000 verschiedene Briefmarken und ca. 1400 verschiedene
Ganzsachen entstanden sind. Hinzu kommen noch etliche hundert
Wertstufen (dabei auch Ganzsachen), die für Belegzwecke des
Postmuseums als amtliche Neudrucke hergestellt worden sind,
wovon jeweils ca. 5-10 Stück pro Wertstufe bis Anfang der
50er Jahre in Privatsammlungen gelangt sind. In keinem anderen
Gebiet der deutschen Philatelie gibt es soviele verschiedene
Aufdruckmarken wie bei den Bezirkshandstempeln.
Dem Sammler
stellt sich vor allem das Problem, wie er die Menge von 30000
verschiedenen Bezirkhandstempelmarken bewältigen soll. Natürlich
gibt es darunter eine große Menge billiger Marken, die zumindest
postfrisch oder mit Falz schon für wenige Mark pro Marke erworben
werden können. Auch gestempelte Marken der 12, 24 und 60Pf
braun gibt es zahlreich und meist billig zu kaufen. Nur ganz
wenige Sammler können es sich jedoch leisten, auch alle teuren
Wertstufen zu sammeln. Eine komplette Sammlung aller Bezirkshandstempelmarken
wird es nie geben, denn zu viele Werststufen sind Unikate
oder nur in ganz wenigen Stücken bekannt und dementsprechend
nur ganz selten einmal angeboten. Dennoch gibt es einige "Generalsammler"
der Bezirkshandstempel, die alle erreichbaren Wertstufen aufnehmen
und schon zu einem sehr guten Prozentsatz komplettiert haben
und exzellente Sammlungen zusammengetragen haben. Einige wenige
"Generalsammler" haben sich darauf beschränkt, nur gestempelte
Marken aufzunehmen, andere sammeln nur postfrisch. Besser
komplettierbar sind die Wertsstufen bei einer Generalsammlung
jedoch, wenn gemischt postfrisch/ungebraucht und gestempelt
gesammelt wird, denn es gibt viele Wertstufen, die nur ungebraucht
bekannt sind und andere, die bisher nur gestempelt vorlagen.
Auch sollte man hier keine übertriebenen Ansprüche an die
Markenqualität stellen, denn von manchen Wertstufen sind bisher
nur Marken mit Qualitätsmängeln bekannt.
Ein "Normalsammler"
wird sich jedoch auf irgendein Teilgebiet oder eine bestimmte
Sammelrichtung beschränken müssen. Möglichkeiten gibt es hierzu
viele und ich will im folgenden ausführen, welche Sammelmöglichkeiten
Spezialsammler in den vergangenen 50 Jahren erfolgreich praktiziert
haben. Insgesamt gibt es derzeit einige hundert Spezialsammler,
die sich mit dem Gebiet Bezirkshandstempel besonders beschäftigen.
Außerdem gibt es natürlich auch noch zehntausende (oder gar
einige hunderttausend) andere Sammler, die in ihrem Deutschland-Vordruckalbum
einige Einzelmarken oder einen Satz billigster Sorte mit echten
(oder häufiger mit falschen) Bezirkshandstempelaufdrucken
einsortiert haben, sich aber nicht speziell für dieses Gebiet
interessieren.
"Schnäppchenjäger"
sammeln nur die Stücke, die sie besonders günstig kaufen können.
Auch heute kann man mit etwas Finderglück auf Tauschtagen,
in Auktionslots, Nachlaßsammlungen etc. immer noch seltene
und in den Handbüchern hoch bewertete Aufdrucke entdecken,
bei denen der Verkäufer in Unkenntnis nur den Preis für billigste
Sorte ohne Aufschläge angesetzt hat.
"Heimatsammler"
sammeln spezialisiert alle Aufdruckmarken ihres Heimatpostamtes
und gegebenenfalls auch die Aufdrucke umliegender Orte oder
eines bestimmten geographischen Gebietes. Solche Sammlungen
können auch zu Generalsammlungen eines Bezirkes ausgebaut
werden, d.h. es werden alle Wertstufen mit einer bestimmten
Bezirksnummer gesammelt. Der kleinste Bezirk ist mit Bezirkszahl
2o (ehemalige OPD Magdeburg = Bezirkszahl 29 mit abgefeiltem
Strich der "9") mit nur 11 verwendeten Bezirksstempeln und
ca. 182 Wertstufen, die nach heutigen Erkennissen der Prüfer
als echt nachgewiesen sind. Der größte Bezirk ist der Bezirk
16 (= OPD Erfurt, Land Thüringen) mit ca. 337 verwendeten
Bezirksstempeln und über 5000 vorkommenden Wertstufen. Am
meisten gesammelt wird derzeit der Bezirk 38 (= ehemalige
OPD Stettin), hier wurden 27 Bezirksstempel verwendet, dieser
Bezirk ist mit ca. 422 Wertstufen gut überschaubar. In der
Sammlernachfrage ganz oben stehen derzeit auch die Bezirke
3 und 37, da es relativ viele Heimatsammler von Berlin bzw.
Mecklenburg gibt. Im Bezirk 3 (= Berlin Ost) konnten nach
heutigen Prüfererkenntnissen Aufdrucke von ca. 174 verschiedenen
Bezirksstempeln als echt nachgewiesen werden, insgesamt führt
das neue ARGE-Handbuch beim Bezirk 3 ca. 2331 Wertstufen auf,
die bisher als Originale bestätigt wurden. Im Bezirk 37 (=
OPD Schwerin) wurden ca. 159 Bezirkstempel verwendet, die
Anzahl der überdruckten Wertstufen dürfte hier bei ca. 2400
liegen. (Die jeweils angegebenen Anzahlen von überdruckten
Wertstufen sind etwas niedriger als frühere Schätzugen, die
auf den Wertetabellen früherer Handbücher beruhten. Nach heutigen
Prüfkriterien haben sich jedoch etliche früher aufgelistete
Wertstufen als fragwürdig oder falsch herausgestellt). Spitzenwerte
und vor allem auch Bedarfsbriefe der 3 beliebtesten Bezirke
3, 37 und 38 sind sehr knapp und werden auf Auktionen derzeit
immer sehr hoch gesteigert. Bei anderen Bezirken wie z.B.
den Bezirken 27 (= OPD Leipzig) und 41 (= ehemalige OPD Chemnitz)
ist derzeit mehr Material auf dem Markt, das man auch etwas
günstiger kaufen kann.
Eine andere
Sammelmöglichkeit ist, von jedem Aufdruck nur eine Marke (egal
welcher Wertstufe) aufzunehmen, die sogenannte "Typensammlung".
Eine komplette Typensammlung sollte dann ca. 2030 Marken enthalten,
denn soviele verschiedene Bezirksstempel wurden bei der Aufdruckherstellung
verwendet. Ein Aufdruck ist bisher nur auf Ganzsache bekannt,
sodaß auch eine Ganzsache zur Komplettierung aufgenommen werden
muß. Bis heute ist es jedoch noch keinem Sammler gelungen,
eine komplette Typensammlung zusammenzutragen, den besten
Typensammlungen fehlen jedoch nur noch ganz wenige Stücke.
Das liegt daran, daß einige Bezirksstempel nur aushilfsweise
in ganz wenigen Abschlägen verwendet wurden. Z.B. von dem
seltensten Aufdruck der Numeratortype 37 Neukloster ist bisher
nur eine beschädigte Marke auf einem Paketkartenabschnitt
bekannt. Einige weitere Aufdrucke sind bisher nur je 2 mal
bekannt.
Noch etwas
schwieriger ist eine Aufdrucksammlung zu komplettieren, in
der von jeder Aufdrucktype und von jeder Farbvariante eine
Marke aufgenommen wird. Diese Sammlung sollte dann, wenn sie
komplett ist ca. 2530 Marken enthalten. Einige wenige Farbvarianten
sind bisher nur auf Ganzsachen bekannt, sodaß auch einige
Ganzsachen aufgenommen werden müssen. Bei den Farbvarianten
gibt es noch mehr solcher extremer Seltenheiten, die nur je
einmal oder 2 mal bekannt sind. Daher konnte auch bisher noch
kein Sammler alle Farbvarianten komplett zusammentragen.
Wer auf
Typen- und Farbunterschiede keinen Wert legt, kann sich auch
darauf beschränken, von jedem Ort nur eine Aufdruckmarke aufzunehmen,
wobei die Wertstufe wieder egal sein kann. Alle Orte, deren
Bezirksstempel als Aufdrucke vorkommen, sind seit einigen
Jahren im Michel-Spezial aufgeführt. Auch wenn man die ganz
seltenen und teuren Aufdrucke wegläßt, kann man hier relativ
leicht in den preislich erreichbaren Bereichen mehrere hundert
verschiedener Ortsaufdrucke zusammentragen. Sehr gut gefallen
mir immer solche Sammlungen (auch auf Ausstellungen), bei
denen von jedem Ort jeweils eine Seite gezeigt wird mit einem
Paketkartenabschnitt (oder Briefstück) und einem Brief (oder
2-3 lose gestempelte Marken und ein Brief).
Eine andere
Spezialisierungsmöglichkeit ist, alle verschiedenen vorkommenden
Aufdrucke und Aufdruckfarben auf nur einer Urmarkenwertstufe
zu sammeln, z.B. nur 12Pf-Marken mit allen vorkommenden Aufdruckvarianten
zu sammeln. Eine solche Sammlung von nur 12Pf-Marken wird
-wenn sie komplett ist- deutlich weniger als die oben erwähnten
2530 Marken enthalten, denn etliche Aufdrucke und Farbvarianten
kommen nur auf anderen Wertstufen aber nicht auf 12 Pf-Marken
vor. Es gibt einige Sammler, die alle Aufdrucke nur auf 24
Pf-Marken zusammentragen, denn dies ist die häufigste Wertstufe.
Es gab auch eine gute Spezialsammlung mit nur 25Pf-Marken
sowie eine gute Spezialsammlung der Ziffer 15 grün (Mi.Nr.
Ii). Ein Sammler wagte sich sogar daran, eine Spezialsammlung
der roten 60 Pf (Mi.Nr. 179) zusammenzutragen. Die roten 60Pf-Marken
der Erstauflage waren zur Zeit der Aufdruckherstellung nur
noch bei wenigen Postämtern in Restbeständen vorhanden und
wurden meist nur in sehr geringer Stückzahl mit echten Aufdrucken
überdruckt, um so mehr aber nachträglich mit falschen Aufdrucken
in Umlauf gebracht. Rein optisch hat mir eine Spezialsammlung
von nur 12 Pf-Marken am besten gefallen, da sich die Aufdruckfarben
auf den grauen 12Pf-Marken am besten herausheben.
Eine Spezialsammlung
von postfrischen Ganzsachen ist besonders empfehlenswert,
wenn man auf sauber und vollständig abgeschlagene Aufdrucke
Wert legt, denn auf Ganzsachen sind die Bezirksstempel meistens
sehr schön abgeschlagen. In den letzten Jahren erfreuen sich
bedarfsmäßig gebrauchte Ganzsachen sehr stark steigender Nachfrage.
Alle Bedarfsganzsachen sind nur sehr selten erhalten geblieben.
Es gibt kaum einen Aufdruck, von dem mehr als 2-3 Bedarfsganzsachen
registriert sind. Für nachträglich beschriftete blanco-gestempelte
Ganzsachen und solche mit wenig aussagekräftigen Beschriftungen
sollte man nicht den Michel-Preis für gestempelt bewilligen
sondern wesentlich weniger.
Die meisten
Sammler beginnen eine Sammlung der Bezirkshandstempel mit
einer sogenannten "Leitsatzsammlung": Hier wird von jedem
Bezirk ein Satz der Arbeiterserie zusammengetragen, insgesamt
also 11 Sätze, wobei es nicht darauf ankommt, welche Orte
oder Aufdrucktypen enthalten sind. Ein Angebot für diese "Leitsatzsammlung"
finden Sie in der Datei "Preisliste SBZ 166-181" dieser Hompage.
Manche Sammler versuchen, möglichst verschiedene Aufdrucke
in jedem Satz zu zeigen. Die seltensten Werte der postfrischen
Leitsatzsammlung sind die roten 60Pf der Bezirke 29 und 37,
beide Werte sind mit BPP-Attest in einwandfreier Erhaltung
kaum beschaffbar und dürften für die meisten Sammler unerreichbar
bleiben. Gestempelt sind die 25 Pf vom Bezirk 2o und die rote
60Pf vom Bezirk 37 die seltensten Werte der Leitsatzsammlung.
Wer Geld
anlegen will, dem würde ich empfehlen, auch Leitsätze der
Ziffern-, Mark- und Sonderwerte zu sammeln. Diese Marken sollten
gemäß der Anordnung eigentlich gar nicht überdruckt werden.
Vor allem die Paketkartenabschnitte aus der amtlichen Kiloware
haben bewiesen, daß diese Marken dennoch aushilfsweise überdruckt
worden sind. Ebenso werden solche Marken anerkannt, wenn sie
auf zuverlässigen Bedarfs- oder mehreren Sammlerbriefen verschiedener
Absender belegt sind. Die teuersten Werte sind hier meist
absolute Raritäten, die nur extrem selten einmal angeboten
werden, und in den Katalogen ist hier meiner Einschätzung
nach immer noch vieles unterbewertet. Die Spitzenwerte sollten
hier jedoch nur mit neuem BPP-Attest erworben werden, da massenweise
falsche Aufdrucke vorkommen und in manchen Fällen auch ältere
Prüfergebnisse früherer Prüfer nach heutigem Kenntnisstand
nicht bestätigt werden können.
Von den
Ganzsachen kann man auch "Leitsätze" sammeln, d.h. eine Serie
von jedem Bezirk. Extrem selten sind hier bei den Karten mit
Wertstempel Arbeiter die 10Pf-Karten bei den Bezirken 37 und
38 sowie die 30Pf-Karten bei den Bezirken 29, 2o, 37 und 38
sowie fast alle 30/30Pf Antwortkarten. Bei den Karten mit
Ziffern- und Sonder-Wertstempeln sind nur die 10Pf-Ziffernkarte
bei den Bezirken 20, 27 und 41 sowie die Suchdienstkarte mit
Aufdruck 20 Halle 2 etwas häufiger, alle anderen sind selten
bis extrem selten.
Viele
Sammler bevorzugen eine Sammlung von "Schaltersätzen" gegenüber
einer "Leitsatzsammlung". Anders als "Leitsätze", die aus
verschiedenen Orten eines Bezirks nahezu beliebig zusammengemischt
sein können, müssen "Schaltersätze" so zusammengesetzt sein,
wie sie bei einem Postamt am Schalter ausgegeben wurden. Schaltersätze
enthalten also nur die Aufdrucke, die bei dem jeweiligen Postamt
verwendet wurden, es können auch Aufdrucke von Zweigpostämtern
vorkommen, deren Bezirksstempel mitverwendet wurden. Bei einigen
Postämtern können Schaltersätze Bezirksstempel mit verschiedenen
Bezirksnummern enthalten (z.B. 37 Greifswald und 38 Greifswald).
Bei vielen Postämtern waren nicht alle Wertstufen der Arbeiterserie
vorhanden. Diese Schaltersätze sind dann auch mit weniger
als 16 Marken komplett. Manchmal wurde die fehlende Wertstufe
durch den entsprechenden Wert der Ziffernserie ersetzt, besonders
bei den 15- und 84 Pf-Marken kommt das häufig vor. Schaltersätze
in originaler Zusammensetzung sind heute nur selten zu finden,
da viele mit der Zeit zerstreut wurden. Schaltersätze können
jedoch auch mit etwas Finderglück und bei entsprechendem Sachverstand
aus zusammengekauften Einzelwerten oder Sammlungsteilen nachträglich
wieder zusammengesetzt werden. Schaltersätze gibt es nur von
Orten, wo Sammler oder Händler waren, von vielen kleineren
Orten sind keine kompletten Sätze erhalten geblieben. Die
erhaltenen Schaltersätze sind zumeist postfrisch erhalten,
gestempelt und auf Satzbriefen frankiert sind sie wesentlich
seltener. Sammler, die Vordruckalben bevorzugen, kaufen die
Vordruckseite der Bezirkshandstempel in größerer Stückzahl
und können dann auf jedem Blatt einen Schaltersatz unterbringen.
Außer
dem Sammeln von "Leitsätzen" und "Schaltersätzen" kann man
viele sehr interessante Seiten unter dem Thema "Besonderheiten
der Bezirkshandstempelaufdrucke" gestalten. Hierunter können
gezeigt werden: verschiedene Buchstabentypen, große und kleine
Bezirkszahlen, verschiedene Stempeltypen, Gummistempel, Kastenstempel,
Numeratorstempel, aptierte Stempel, zweiteilige Stempel, Aufdrucke
ohne Bezirkszahl, verschiedene Aufdruckfarben, verschiedene
Aufdruckstellungen, teilweise abgedeckt hergestellte Aufdrucke,
Zusammendrucke von verschiedenen Bezirksstempeln oder verschiedenen
Aufdruckfarben auf Paaren oder Einzelmarken (Korrekturaufdrucke),
Paare mit und ohne Aufdruck, auf Unterlage übergehende Aufdrucke,
zusätzliche Zahlenaufdrucke von Schwarzenberg, Pol-Lochungen
und private Firmenlochungen usw. Der Michel-Deutschland-Spezial-Katalog
hat zu diesem Thema eine Auswahl der wichtigsten Besonderheiten
zusammengestellt.
Das Sammeln
von Marken mit Bogenrandstücken erfreut sich steigender Beliebtheit,
seit der Michel-Spezial-Katalog eine Sonderbewertung für Oberränder
mit durchgezähnten oder nicht durchgezähnten Plattenoberrändern,
Walzenoberrändern, Druckerzeichen, und HAN-Nummern eingeführt
hat. Für die Erforschung der Bezirkshandstempelaufdrucke sind
von diesen Randstücken die UR-Paare mit HAN-Nummern von besonderem
Interesse, da hier festgestellt werden kann, welche Auflagen
der Urmarken verwendet wurden. Das Sammeln von postfrischen
Viererblocks wurde bei den Bezirkshandstempeln seit langer
Zeit gepflegt, da man wegen der Länge der meisten Bezirksstempel
erst bei einem Viererblock einen vollständigen Abschlag des
Bezirksstempels bekommen kann. Komplette postfrische Bogen
sind erst mit Verkäufen aus postamtlichen Restbeständen, die
von DDR-Staatsunternehmen zur Devisenbeschaffung organisiert
wurden, in den 80er Jahren in größerer Menge auf den Markt
gekommen, daher werden heute auch postfrische Bogen gesammelt.
In früheren Zeiten gab es kaum Bogen, da die Bezirkshandstempelmarken
nur in kleinen Mengen am Schalter verkauft werden durften
(laut Anweisung der OPD Leipzig maximal 20 Marken pro Person,
doch haben sich nicht alle Postämter hieran gehalten).
Seit das
Sammeln von gestempelten waagrechten Paaren und Viererblocks
ein modernes Trendgebiet bei Bund-Berlin sind, beginnen auch
einige Sammler bei SBZ gestempelte Einheiten zu sammeln. Derzeit
kann man gestempelte Einheiten von Bezirkshandstempeln immer
noch zum normalen Preis ohne Aufschlag für die Einheit bekommen,
doch das Angebot ist sehr knapp. Senkrechte Paare sind wesentlich
häufiger als waagrechte, da die Postbeamten wegen leichterer
Abrechnung immer bevorzugt senkrechte Streifen vom Bogen abgetrennt
haben. Falls mehrere Sammler mit dem Sammeln von gestempelten
Einheiten von Bezirkshandstempelmarken einsteigen würden,
dürfte es sehr schnell zu steigendem Preisnivau für gestempelte
waagrechte Paare und Viererblocks kommen. Sehr große gestempelte
Einheiten oberhalb eines 20er-Blocks bis zum kompletten gestempelten
Bogen sind extrem selten und nur in wenigen Stücken bekannt.
Von den
Farbnuancen der Urmarken wurden bisher nur die beiden Auflagen
der 60 Pf Arbeiter und die UV-Varianten der 1,- Taube (Urmarken
969 a, b und c) beachtet. Im Michel-Deutschland-Spezial-Katalog
2001 sind jetzt erstmals die von der ARGE-Kontrollrat neu
erforschten Farben der Kontrollrats-Urmarken katalogisiert.
Welche von den neu katalogisierten Kontrollratsfarben mit
Aufdrucken vorkommen, ist noch weitgehend unbekannt, es werden
sicherlich nicht alle Farben bei den Aufdruckmarken vorkommen.
Es ergibt sich hier auch ein höchst interessantes Gebiet für
Sammler von Bezirkshandstempelmarken: Jeder kann bei seinen
Handstempelmarken nachsehen, ob er eine seltenere Urmarkenfarbe
findet. Wahrscheinlich wird werden die selteneren Urmarkenfarben
nicht gleichmäßig verteilt sein, sondern wenn sie überhaupt
mit Aufdrucken vorkommen, nur in wenigen Bezirken und bei
wenigen Orten zu finden sein. Hier kann noch viel spannende
Such- und Forschungsarbeit geleistet werden.
Nach den
im Michel-Spezial bei den Urmarken katalogisierten Plattenfehlern
haben bisher nur wenige Sammler der Bezirkshandstempelmarken
gesucht. Bisher gefunden wurden u.a. Plattenfehler bei der
60Pf-Marken und die Plattenfehler II und III bei der 24Pf
Stephanmarke.
Noch reichhaltiger
sind die Sammelmöglichkeiten und Spezialisierungsmöglichkeiten
bei Briefen und Ganzstücken. Man kann von jedem Aufdruck und
von jeder Aufdruckfarbe einen Brief aufnehmen, oder von jedem
Ort einen Brief suchen. Generalsammler suchen sogar jede Wertstufe
auf Brief zu belegen.
Man kann
die Verwendung eines Aufdrucks in anderen Orten dokumentieren:
Normal ist die Verwendung eines Aufdrucks beim dem Postamt,
wo er hergestellt wurde, sowie bei den unterstellten Zweigpostämtern
und Poststellen des Postamtes. Dadurch, daß Marken von Reisenden
mitgenommen oder als Rückporto beigelegt wurden, kommen jedoch
auch Verwendungen in anderen Orten oder sogar in fremden Bezirken
vor. Hierdurch sind auch Mischfrankaturen von Marken fremder
Bezirke entstanden, die viel seltener sind als die "normalen"
Mischfrankaturen mit verschiedenen Bezirksnummern, die dadurch
entstanden sind, daß ein Postamt Bezirksstempel mit verschiedenen
Bezirksnummern verwendete (wie z.B. 20 Dessau und 29 Dessau).
Bezirkshandstempelmarken konnten auch in Westberlin verwendet
werden, relativ häufig sind solche Westberlin-Verwendungen
mit Bezirkszahl "3", etwas seltener mit "36", sehr selten
mit allen anderen Bezirksnummern. Auf Briefen von Westberlin
in die SBZ konnte nicht mit Band- und Netzaufdruckmarken frankiert
werden, da diese Frankaturen im Osten nicht anerkannt wurden
("Postkrieg"), daher wurden diese Briefe in Westberlin häufig
mit in Ostberlin gekauften Bezirkshandstempelmarken frankiert.
Bei Briefen
kann man auch Besonderheiten der Entwertungen beachten. Stempel
von Poststellen I und II sind seltener zu finden, sehr gesucht
sind auch die 1948 nur noch in wenigen Orten vorkommenden
Notstempel.
Manche
Sammler dokumentieren die "17 Tage"-Provisorien, indem sie
von jedem Verwendungstag vom 24.6.48 bis zum 11.7.48 einen
Beleg suchen. Wer die Tagesdaten sammelt wird sehr schnell
feststellen, daß die folgenden 4 Daten viel seltener sind
als alle anderen: 24.6.48 (Ersttag, hier mußten die Leute
erst mal zum Geldwechsel lange anstehen), 27.6.48 (Sonntag),
4.7.48 (Sonntag), 11.7.48 (Sonntag, Handstempelaufdrucke nur
noch auf Belegen aus der 1. Briefkastenleerung gültig).
Man kann
Briefe und Ganzstücke nach Einzel-, Mehrfach- und Mischfrankaturen
spezialisieren. Bei den Mischfrankaturen werden auch Kombinationen
von jeweils Bezirkshandstempelmarken mit Zehnfachfrankaturen,
SBZ-Maschinenaufdrucken, Gebühr-Bezahlt-Stempel, Freistempel
(mit neuer Währung oder zehnfacher alter Währung) beachtet
sowie 3-fach-Kombinationen oder gar 4-fach-Kombinationen davon.
Bei in West-Berlin aufgegebenen Briefen kommen noch Kombinationsmöglichkeiten
mit Band- und Netzaufdrucken hinzu. Seltene Besonderheiten
sind Mischfrankaturen mit vor dem 3.7.48 verwendeten SBZ-Maschinenaufdrucken,
die in Halle bereits ab 30.6.48 vorzeitig ausgegeben wurden.
Außerdem
kann man Briefe und Ganzstücke nach Portostufen sammeln oder
besondere Verwendungsformen belegen wie Einschreiben (mit
Beachtung verschiedener Typen von R-Zetteln), Rückscheine,
Zustellurkunden, Wertbriefe, Nachnahmen, Eilboten, Postscheckbriefe
(mit Beachtung verschiedener Vordruckbriefe), Paketkarten
(besonders interessant: verschiedene aushilfsweise als Behelfspaketkarten
verwendete Formulare), Postanweisungen (desgl. auch mit verschiedenen
aushilfsweise verwendeten Formularen), Zahlkarten, Einlieferungsscheine
und -bücher, Zustelllisten, Verrechnungsformulare etc.. Man
kann Zensurvermerke sammeln, man kann Auslandsbriefe nach
Zielländern (=Destinationen) sammeln.
Ein weiteres
großes Sammelgebiet bei den Bezirkshandstempelaufdrucken ist
das Sammeln von Fälschungen und fraglichen Aufdrucken. Hier
kann man eine Vergleichs- und Forschungssammlung aufbauen
und dadurch mit der Zeit selbst zum Experten werden. Zudem
wird dieses Material häufig günstig angeboten. Fälschungen
zum Schaden der Post sind auf nicht philatelistisch beeinflußten
Bedarfsbriefen und Paketkarten nur sehr selten verwendet worden,
solche Stücke sind sehr gesucht, erzielen heute hohe Preise.
Nur von geringem Handelswert, aber als Vergleichmaterial interessant,
sind dagegen die zahlreich und in sehr vielen Varianten vorkommenden
Machwerke, die aus der Zusammenarbeit von gewinnsüchtigen
Briefmarkenhändlern und bestechlichen Postbeamten entstanden
sind: In vielen Fällen wurden bereits während der Kurszeit
der Marken und noch viel mehr in den ersten Monaten danach
(manchmal auch noch Jahre später) illegal Aufdrucke mit Originalstempeln
auf privaten Urmarkenbeständen hergestellt, die nicht offiziell
abgerechnet wurden und nie regulär an einem Postschalter verkauft
wurden. Diese Marken werden seit 1993 mit dem neu eingeführten
Prüfzeichen "verfälscht" signiert. Daneben gibt es noch eine
weite Grauzone von ungeklärten Aufdrucken, bei denen auch
die heutigen Prüfer noch keine sichere Prüfentscheidung treffen
können. Außerdem gibt es auch zahlreiche Fälschungen, die
mit nachgemachten Stempeln oder offiziell nicht verwendeten
Bezirksstempeln hergestellt wurden (Prüfzeichen: "falsch").
Die in den ersten Jahren im Großhandel und in Neuheitenabonnements
verkauften Bezirkshandstempelmarken waren überwiegend "verfälschte"
Stücke. Dies besserte sich erst, als die ersten Bezirkshandstempelprüfer
ihre Tätigkeit aufnahmen, auch wenn diese anfangs noch nicht
den von heutigen Prüfern erreichten Wissensstand hatten und
darum im Laufe der Jahre manche Prüfentscheidung wieder korrigiert
werden mußte. Allen Anfängern und Nichtspezialisten, die nur
echte Marken sammeln wollen, würde ich daher empfehlen, nicht
zu sehr auf vorhandene Altprüfzeichen zu vertrauen und bei
Neueinkauf alle besseren Stücke von einem BPP-Prüfer nachprüfen
zu lassen soweit die Marken nicht bereits von einem amtierenden
BPP-Prüfer geprüft sind.
BPP-Prüfer
kontrollieren ihre eigenen BPP-Prüfzeichen kostenlos auf Echtheit,
wenn die Portokosten für die Rücksendung beigelegt werden.
Sollte sich das Prüfzeichen als falsch erweisen, wird jedoch
die normale Prüfgebühr berechnet. Auch für die Nachprüfung
von Alt-Prüfzeichen oder die Nachprüfung von Prüfzeichen anderer
Prüfer wird die normale Prüfgebühr berechnet. Meiner Meinung
dürften sich die Prüfkosten sehr schnell bezahlt machen, schon
wenn Sie nur einen teuren Fehlkauf damit vermeiden können,
hat sich die Nachprüfung rentiert.
Es gibt
aber auch einen alternativen Weg für sparsame Sammler, die
kein Geld für Prüfgebühren ausgeben wollen. Diesen würde ich
folgenden Rat geben: Kaufen Sie als Anfänger nur billige bedarfsmäßig
gestempelte Marken, bevorzugt auch Paketkartenabschnitte und
Bedarfsbriefe. Die Möglichkeit, daß Sie hier auf Fälschungen
hereinfallen, ist ziemlich gering. Vermeiden Sie ideal zentrisch
gestempelte lose Marken, natürlich können auch solche Stücke
echt sein, aber die Wahrscheinlichkeit, daß die Stempel rückdatiert
sind, ist hier wesentlich größer. Jeder Sammler wird mit der
Zeit ein Gefühl dafür entwickeln, welche Stücke bedarfsmäßig
echt gestempelt sind und welche zu schön "gemacht" sind, um
wahr zu sein. Lassen Sie gegebenenfalls einzelne teurere Marken
nachprüfen, damit Sie eine Vergleichsmöglichkeit haben, ob
Sie mit Ihrer gefühlsmäßigen Einordnung in echt oder falsch
richtig liegen. Auf diese Art werden Sie mit steigender Menge
des zusammengetragenen Materials mit der Zeit selbst zum Experten.
Außerdem
gibt es noch eine weitere Alternative: Kaufen Sie bei Firmen
ein, die bereits BPP-geprüfte Marken anbieten und für die
Echtheit und die Qualität ihrer Marken garantieren. Z.B. werden
in meinen Angebotslisten regelmäßig mehrere tausend Handstempelmarken
und mehrere hundert Briefe angeboten. Meiner Meinung nach
dürfte dies der bequemste Weg sein, Handstempelmarken zu sammeln,
da Sie hier keinen Ärger mit eventuellen Fehlkäufen haben
werden.
Unbedingt
nötig ist für Spezialsammler auch die Anschaffung des Handbuchs
der ARGE Bezirkshandstempel, das neben aktuellen Bewertungen
und der Auflistung der ausgegebenen Wertstufen auch fast alle
bisher bekannten Fälschungen und Verfälschungen darstellt.
Durch Nachschlagen in diesem Handbuch können Sie bereits viele
Fälschungen selbst erkennen und dadurch oft Fehlkäufe und
unnötige Prüfgebühren vermeiden.
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